Freier Raum zum Wachsen

Wie die Lücke in den Bankreihen zum Gartenraum wird

Beitrag aus dem Nordlicht – Nachrichten der Evangeliumskirche Nr. 238

Die Gartenplanung beginnt schon früh im Jahr, ein Aspekt den ich wunderschön finde, denn unter dem Schnee, in der Kälte und Dunkelheit der kurzen, aber schon länger werdenden Tage schläft in der Natur das Potenzial für das Neue, das Zukünftige. Alle Möglichkeiten liegen offen und es wirkt wie eine Aufforderung an mich kreativ zu werden.

Die Künstlerin Claudia Starkloff
Die Künstlerin Claudia Starkloff

An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen vorstellen. Ich heiße Claudia Starkloff, bin 32 Jahre alt, verheiratet, Mutter eines kleinen Sohnes und freischaffende Künstlerin. Klassisch ausgebildet in Grafik und Bildhauerei, begeistere ich mich für das Spiel mit Materialien, Formen und Farben und seit meiner Studienzeit an der Münchner Kunstakademie interessiert mich besonders das Thema Zeit und die mit der Zeit einhergehenden Veränderungen und Entwicklungen. Hier nähere ich mich gerne auch mal durch die Gartentüre, denn der Garten, Elemente der Gartenkultur, die Jahreszeiten und Pflanzen sind dabei Inspiration und künstlerisches Medium.

Jetzt, zur Mitte des Jahres, kann ich die Ergebnisse meiner Planung im Nutz- und Ziergarten mit allen Sinnen und ganz real erleben. Als ich Ende Januar die Evangeliumskirche erstmals betreten habe, lagen Natur und Garten noch unter einer Schneedecke.

Mit Benita Meißner, der Kuratorin der artionale 2019 hatte ich mich zu dem Kirchenbesuch verabredet, denn sie hatte mich eingeladen eine Arbeit für dieses alle drei Jahre stattfindende Kunst-Event der Evangelischen Kirche in der Region München zu entwickeln.

Ein roter Teppich führte uns an diesem Tag in einen hohen, von Wänden aus Backstein umschlossenen, Raum. Der Anblick war vertraut, die klare und ruhige Symmetrie eines großen Kirchenraums lag vor uns. Überraschend war allerdings die Lücke zwischen dem Eingang und den Kirchenbänken. Keine echte Leerstelle, denn die Spuren auf dem honigfarbenen Boden zeugen noch von den Bankreihen die dort über Jahrzehnte standen. Es wirkt, als ob sich das Holz die Erinnerung noch etwas bewahren will, während die Anschlüsse der ehemaligen Bankheizungen, verdeckt mit rot-weißem Klebeband und Folie, schon verkündeten: Achtung, Baustelle!

Im Gespräch mit Dekan Felix Reuter und Pfarrer Rolf Hartmann erfuhren wir vom bevorstehenden Kirchenumbau und der Notwendigkeit, eben in der Woche vor unserem Besuch, die ersten acht Kirchenbänke nach dem Eingang zu entfernen. Es ging um die Kälte in den Wintermonaten, die schlechte Beheizbarkeit des großen Kirchenraums und die Chance durch einen Umbau zukünftig eine lebendige Begegnungsstätte wachsen zu lassen.

Bringen Sie Pflanzen mit. Stellen Sie die Töpfe mit Kräutern, Ableger Ihrer Zimmerpflanzen oder eingepflanzte Kerne und Samen in die Kästen und helfen Sie, Leben in die BE(E)TBÄNKE zu bringen.

Etwas wachsen lassen. Vor meinem inneren Auge entsteht ein Bild des schneebedeckten Januar-Gartens und der Entschluss diesen freien Platz – diese Be(e)tfläche – mit in meine diesjährige Planung einzubinden.

Soviel zur Ideenfindung. Jetzt möchte ich Ihnen von meinem Gartenplan erzählen, denn bei der Bepflanzung der Be(e)tbänke brauche ich Ihre aktive Mitwirkung.

Machen Sie mit und bringen Sie Leben in den Be(e)tbänke

Wie in meinem kleinen Garten gliedert sich die Arbeit in der Evangeliumskirche in drei Phasen. Die Voranzucht der Pflanzen beginnt ab dem 14. Juli mit dem Diakoniegottesdienst und dem Gemeindefest. Ab diesem Tag sind die fehlenden Kirchenbänke durch Reihen beleuchteter Frühbe(e)tkästen ersetzt.

Helfen Sie mir, diese Kästen, die Be(e)tbänke, mit Leben zu füllen und bringen Sie Pflanzen mit. Das können Kräuter in Töpfen sein, Ableger, Stecklinge oder Kindel Ihrer Zimmerpflanzen oder eingepflanzte Kerne und Samen. Stellen Sie die Töpfe in die Kästen (es stehen auch leere Töpfe und Erde bereit) und erleben Sie, wie die Be(e)tbänke sich füllen und das Bild, das wir gemeinsam erschaffen immer schöner und lebendiger wird.

Die zweite Phase beginnt am 6. Oktober. Zu Erntedank wird, was in den Be(e)tbänken wachsen konnte, zum Altar getragen. Dort entsteht unter einem Folientunnel-Gewächshaus „Der grüne Ort unter dem großen Bogen“ als künstlerischer Beitrag zur artionale 2019. „Der grüne Ort unter dem großen Bogen“ wird eine von 14 zeitgenössischen künstlerischen Positionen der artionale zum Thema „Resonanz“ sein. Von 9. Oktober bis 6. November gibt die Evangelische Kirche in der Region München mit diesem Projekt die Möglichkeit Gegenwartskunst und neuer Musik in Kirchenräumen zu erleben.

In der letzten Woche der artionale wird unser gemeinsames Gartenjahr langsam enden, wir können ernten. Die Pflanzen werden an die Besucher verschenkt, finden neue Besitzer und dürfen dort weiter wachsen.

Im November baue ich das Gewächshaus und die Frühbeetkästen wieder ab, die Adventszeit und Weihnachten steht bevor und … die Gartenplanung beginnt schon früh im Jahr …das Neue, das Zukünftige. Alle Möglichkeiten …

Claudia Starkloff